Dr. Ramona M. Kordesch spricht im Interview mit dem Portal LEADERSNET über Ihre Tätigkeit für unseren Kirchenbau, die Zukunft der Gemeinnützigkeit und die Perspektiven des Spendenmanagements.
LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Kordesch, wie würden Sie Ihren Beruf als NPO-Expertin beschreiben?
Ramona M. Kordesch: Vor allem unternehmerisch. Heute geht es nicht mehr nur darum, mit geringen Mitteln gute Sozialprojekte zu gestalten, sondern einen konkreten Beitrag zum gesamtgesellschaftlichen Wandel zu leisten. Das Miteinander unterschiedlicher Akteure ist dabei entscheidend: Staat, Unternehmertum und Zivilgesellschaft. Dabei entstehen nicht nur neue Kooperationsstrukturen, sondern auch soziale Innovationen, die in die Gesellschaft getragen werden müssen – und das ist mein Job.
LEADERSNET: Was sind konkrete Projekte?
Kordesch: Aktuell arbeite ich tatsächlich für den lieben Gott. Der Verein „Salzburg & Tradition“ und sein Obmann Pater Markus Buchmaier bauen in der Stadt Salzburg die erste, neu errichtete Kirche der katholischen Tradition im 21. Jahrhundert „Maria Schnee“. Das Projekt umfasst ein Volumen von 2,2 Millionen und ist zu 100 Prozent spendenfinanziert. Ich helfe mit und verantworte die Projektentwicklung und das Fundraising. Das Besondere ist: Wir sehen uns dort nicht nur als Bauherr, sondern auch als Bildungsakteur. Allen Beteiligten geht es auch darum, nicht nur eine Kirche zu bauen, sondern den Wertbeitrag des christlichen Kultur- und Glaubensgutes für die gute Entwicklung einer modernen Gesellschaft darzustellen.
LEADERSNET: Wie gehen Sie auf potenzielle Spender:innen zu?
Kordesch: Das Erfolgsrezept ist Sinnstiftung und Beteiligung. Einerseits motivieren wir Menschen, mit uns über den lieben Gott nachzudenken, und setzen andererseits auf die intrinsische Motivation, dieses Engagement sichtbar werden zu lassen – etwa über den Erwerb eines Bausteins oder die Finanzierung einer Kirchenbank und vieles mehr. Wir betreuen unsere Spender:innen intensiv und halten sie informiert über hochwertige Themenbroschüren und Social Media. Und wir sind voll flexibel: Engagement von Firmen läuft anders als das Engagement von Privatpersonen. Für jedes Engagement ist Platz, und wenn es freiwillige Arbeit am Bau ist, freuen wir uns auch.
LEADERSNET: Wo sehen Sie die Herausforderungen für gemeinnützige Arbeit?
Kordesch: In den letzten Jahren hat sich die Rolle gemeinnütziger Arbeit deutlich verändert. Erstens steht sie stärker im Wettbewerb mit Staat und Wirtschaft. Organisationen müssen daher genauer zeigen, wofür sie gebraucht werden. Zweitens wächst der Druck zur Professionalisierung. Das schafft Klarheit, kann aber immaterielle Werte in den Hintergrund drängen. Drittens wandelt sich Engagement. Klassisches Ehrenamt nimmt ab, während flexible und auch digitale Formen zunehmen. Der entscheidende Punkt ist die Unabhängigkeit: Gemeinnützige müssen professioneller werden, ohne ihren eigenen Auftrag zu verlieren.
LEADERSNET: Was können wir uns von anderen Ländern in diesem Bereich abschauen?
Kordesch: Österreich könnte von anderen Ländern wie Deutschland oder England lernen, Spenden steuerlich großzügiger anzuerkennen und gleichzeitig durch einfache Systeme wie automatische Zuschüsse oder höhere Absetzbarkeit mehr Anreize zu schaffen. Ebenso braucht es verlässlichere Finanzierungsmodelle, die über kurzfristige Projektförderung hinausgehen und Organisationen Planungssicherheit geben. Gemeinnützige Arbeit sollte zudem stärker als professioneller Sektor verstanden werden. Schließlich könnte eine sichtbarere Anerkennung von Engagement dazu beitragen, die gesellschaftliche Beteiligung nachhaltig zu stärken.
LEADERSNET: Vielen Dank!

Ramona M. Kordesch, geb. 1986 in Klagenfurt, ist Theologin und Zivilgesellschaftsforscherin. Lange Zeit an der privaten Zeppelin Universität tätig, leitet sie heute die Social Innovation Research Unit / SIRU der Social City Wien und ist im Bereich der Entwicklung und Skalierung von sozialer Innovation vorwiegend im NPO-Sektor beratend tätig.